Mit dem ältesten noch existierenden MAN-Lizenzpartner konnte MAN Diesel & Turbo dieser Tage das einhundertjährige Bestehen eines Lizenzabkommens feiern. Für den weltweiten Marktführer bei großen Schiffsdieselmotoren hat die Vergabe von Lizenzen, die schon von Rudolf Diesel als Geschäftsmodell eingesetzt worden ist, große Bedeutung.
Im Jahr 1911 unterzeichneten die Vorgängergesellschaften von MAN Diesel & Turbo und der japanischen Kawasaki Heavy Industries das erste Lizenzabkommen für den Bau großer Dieselmotoren. Im vergangenen Jahr wurde das Abkommen erneut um zehn weitere Jahre verlängert, sodass die beiden Unternehmen nun das Jubiläum Ihrer hundertjährigen Partnerschaft begehen konnten.
Beim Lizenzgeschäft wird dem Lizenznehmer die Erlaubnis erteilt, gegen Zahlung einer Lizenzgebühr vom Lizenzgeber entwickelte Produkte zu bauen. Dieses Geschäftsmodell wendet MAN Diesel & Turbo auf seine Zweitaktmotoren vollständig und auf weitere Teile seines Produktportfolios – nämlich Viertaktmotoren, Turbolader und Schiffspropeller – teilweise an. Derzeit arbeitet MAN Diesel & Turbo mit rund 40 Lizenznehmern zusammen, etwa die Hälfte davon kommt aus China. Die Bedeutung des Lizenzgeschäftes kommentiert Dr. René Umlauft, CEO von MAN Diesel & Turbo, so: „Die Lizenznehmer sind für uns zentrale Partner, mit denen wir eng und langfristig zusammenarbeiten. Unsere eigene Expertise für die Entwicklung von modernen Großdieselmotoren ergänzen wir durch diese Kooperationen mit dem Zugang zu lokalen Märkten und Fertigungs-kapazitäten vor Ort – ein Geschäftsmodell, das für beide Seiten von Vorteil ist.“
Insbesondere bei den riesigen Zweitaktdieseln besteht der Vorteil für MAN Diesel & Turbo als Lizenzgeber unter anderem darin, dass die zum Teil über 2000 Tonnen schweren Motoren in unmittelbarer Nähe der Werften – zumeist in den Schiffbauländern Asiens – produziert werden können. Gleichzeitig kann sich das Unternehmen auf die Know-how-intensive Entwicklung der Motoren konzentrieren; der Vorteil für den Lizenznehmer besteht darin, dass er den aufwändigen und kostspieligen Aufbau von Entwicklungskapazitäten nicht vornehmen muss.